Chemiefasern sehen, fühlen und verwenden wir jeden Tag, da sie in den meisten Kleidungsstücken vorkommen. Sie nehmen in den Bereichen Bekleidung und auch Heimtextilien den ersten Platz unter den verarbeiteten Rohstoffen in Deutschland ein. Im Jahr 1993 waren bereits ¾ aller verarbeiteten Fasern in Deutschland Chemiefasern. Gründe dafür ist vor allem die Möglichkeit, Fasern durch Änderung der Ausgangsstoffe, des Herstellungsprozesses und durch spezielle Nachbehandlungen bedarfsgerecht für ihre unterschiedlichen Einsatzzwecke herstellen und mit den gewünschten Eigenschaften versehen zu können.
 
Chemiefasern werden industriell hergestellt und sind damit reine Synthesefasern. Der Rohstoff für synthetische Chemiefasern stammt in der Regel aus Erdöl, welches chemisch umgewandelt wird. Es gibt auch die sogenannten zellulosischen Chemiefasern. Hier werden Fasern aus Holz mit Chemikalien in eine lösliche Form überführt, die anschließend durch Düsen gepresst wird. Ausgangsstoff ist somit die Zellulose, die aus dem Holz gewonnen wird.
Um synthetische Chemiefasern herzustellen, benötigt man fadenziehende Flüssigkeiten. Das durch Lösen oder Erhitzen entstandene Material ist die Spinnmasse. Die gewonnenen Ausgangsstoffe werden zu spinnbarem Material aufbereitet, dem Polymer. Da sich Chemiefasern statisch aufladen können, werden sie häufig mit natürlichen Fasern wie Baumwolle oder Wolle vermischt.
 
Das Grundprinzip ist bei der zellulosischen und der synthetischen Chemiefasern gleich: Das Rohmaterial wird verflüssigt, anschließend durch Düsen gepresst und zu Fasern versponnen.
 
Im Folgenden könnt Ihr Euch einen Überblick über die unterschiedlichen Arten der Chemiefasern verschaffen:

 

 

SYNTHETISCHE CHEMIEFASERN

 

Polyester (PES)
Polyester ist die weltweit führende synthetische Faser. Polyester sind vielseitig einsetzbare Kunststoffe und sie begleiten uns im täglichen Leben. Denn aus Polyestern kann man viele unterschiedliche Dinge herstellen, wie z. B. Lebensmittelverpackungen wie Plastik-Getränkeflaschen (PET-Flaschen), CD’s und natürlich Textilfasern.
Polyester gehört zu den “Faserentdeckungen der 1940er Jahren“. Seit 1947 werden Fasern aus Polyester industriell hergestellt. Schon immer wurden die Polyester-Fasern bevorzugt für den Bekleidungsbereich eingesetzt - für Oberbekleidung, Futterstoffe, Unterwäsche, Heimtextilien und Nähfäden. Vor allem die Vermischung mit Baumwolle und Schnurwolle ist sehr verbreitet (Kombination 50% Wolle / 50% Polyester). 2011 wurden in Deutschland 198.000 Tonnen Polyester-Fasern hergestellt – die meist produzierte synthetische Chemiefaser!
 
Polyester bietet eine Qualität, die vom Verbraucher und Verarbeitern gleichermaßen geschätzt wird. Es ist besonders licht- und wetterbeständig und somit auch widerstandsfähig gegen klimatische Einflüsse. Gleichzeitig ist es besonders leicht und fein. Es bietet zudem eine hohe Reiß- und Formbeständigkeit. Polyester-Fasern eignen sich sehr gut für Mischungen mit Naturfasern. Gewebe die Polyester-Fasern beinhalten haben eine geringe Knitterneigung und behalten ihre Formbeständigkeit auch bei Einwirkung von Feuchtigkeit. Daneben verfügen Polyester über ein gutes Feuchtetransportvermögen und trocknen schnell, ist pflegeleicht und bietet eine überdurchschnittliche Strapazierfähigkeit.
 
Polyamid (PA)
Polyamid ist die zweitwichtigste synthetische Faser. Ein Gattungsbegriff für Polyamid ist Nylon. Polyamid-Fasern wurden erstmals 1935 in Amerika vorgestellt. Sie wird rein oder in Mischung mit Wolle eingesetzt. Bevorzugte Einsatzgebiete sind Unterwäsche, Strumpfwaren, Accessoires, Futterstoffe, Heimtextilien und Nähfäden. Polyamid-Fasern halten eine Menge aus, sie sind leicht, haben eine besonders gute Reiß-, Dauerbiege- und Scheuerfestigkeit und sind formbeständig. Polyamid-Fasern sind sehr haltbar und beständig gegen Scheuerbeanspruchungen.
 
Elasthan (EL)
Die synthetische Chemiefaser Elasthan ist auch unter den Markennamen Lycra, Dorlastan und in Amerika unter Spandex bekannt und wird für Miederwaren, Bade- und Sportbekleidung sowie elastische Bündchen an Wäsche und Socken verwendet. Elasthan wurde 1937 in Deutschland entdeckt und hat Eigenschaften, für die es in der Natur kein Vorbild gibt. Elasthan zeichnet sich durch seine außergewöhnliche Elastizität aus - es ist so elastisch wie Gummi, wird allerdings nicht so schnell brüchig. Der Stoff zieht sich immer wieder in seine ursprüngliche Form zurück. Es ist unempfindlich gegen Schweiß, Kosmetika und Waschmitteln.
 
Polyacryl (PAN)
Die Polyacryl-Faser wurde 1942 in Deutschland entwickelt. Polyacryl-Fasern werden rein oder in Mischung mit Zellulosefasern oder mit Wolle für Strickwaren, Oberbekleidung, Pelzimitationen, Strumpfwaren, Decken, Heimtextilien und Handstrickgarne verwendet. Polyacryl-Fasern sind bauschig, voluminös und im Aussehen wollähnlich. Sie sind sehr leicht, reißfest, besitzen ein hohes Wärmerückhaltevermögen, gute Wärmefestigkeit und Formbeständigkeit sowie gute Licht- und Wetterbeständigkeit. Gerade bei Mischungen mit einem entsprechendem Anteil Wolle oder mit anderen Naturfasern, kommen die positiven Eigenschaften zur Geltung: Die Wolle filzt nicht beim Waschen und ist bedeutend pflegeleichter. Deswegen wird Polyacryl besonders viel im Maschenbereich für Mützen und Schals verwendet.
 
 

 

ZELLULOSISCHE CHEMIEFASERN
 
Viskose (CV)
Viskose ist die am meisten verwendete zellulosische Chemiefaser. Schon vor 100 Jahren suchte man nach einer Faser, die fein wie teure Seide ist und entdeckte dabei, dass sich die Fäden von aufgelöster Zellulose verspinnen lassen. Viskose wird vor allem für Oberbekleidung, Heimtextilien und Accessoires verwendet. Meist für Sommerbekleidung wie Kleider, Röcke und Blusen. Charakteristisch für Viskose ist der baumwollähnliche Griff, eine leichte und sehr gute Einfärbbarkeit und beste Temperaturbeständigkeit. Sie ist dadurch besonders hautsympathisch. Viskose lädt sich nicht elektrostatisch auf, da es sich letztendlich um ein natürliches Material handelt.
 
Modal (MD)
Modalfasern werden für Oberbekleidung, Wäsche und Heimtextilien verwendet. Modal wird ähnlich wie Viskose hergestellt, hat dagegen aber eine höhere Festigkeit und ist strapazierfähiger. Es neigt zudem weniger zum Knittern und ist sehr nassfest. Es ist sehr weich und bleibt auch nach vielen Wäschen weich.