DAUMENKINO-ÄSTHETIK
Stop-Motion Filme werden aus einzelnen Fotografien zusammengesetzt und erzeugen die Illusion einer Bewegung unbeweglicher Gegenstände. Der aus Japan stammende Künstler Yukihiro Taguchi hat sich diese Methode zu eigen gemacht und erweckt mit seinen Installationen alltägliche Gegenstände zum Leben. Wie beim guten alten Daumenkino wird der Gegenstand dabei für jedes Bild geringfügig verändert. Für einen zweiminütigen Film werden so schon mal 4000 Einzelaufnahmen benötigt.
 
 
Seit 2005 lebt Taguchi in Berlin, wo schon mehrere seiner Kurzfilme entstanden sind. In seiner bekanntesten Arbeit „Moment – performatives Spazieren“ schickt er die Fußbodendielen seines Ateliers auf Reise durch die Hauptstadt. Die Holzlatten bewegen sich scheinbar eigenständig, gruppieren sich um Skulpturen und interagieren mit Menschen und Bauwerken. Auch für den Designer Vladimir Karaleev arbeitete der Künstler bereits. Während einer fünfwöchigen Galerieinstallation drapierte er Stoffbahnen und Stoffreste immer wieder neu und dokumentierte den Prozess. Seine japanische Herkunft zeigt sich hier deutlich in der Anordnung der Stoffe, die an die Origami-Faltkunst erinnert.
 
 
Sein letztes Projekt fand im Februar dieses Jahres in Göttingen statt, wo er im Auftrag des Kunstvereins knapp drei Wochen lang fotografierte. Als Requisiten diente ihm Holz aus einer Bauruine aus dem 16. Jahrhundert und eine Feuerstelle, die er Stück für Stück neu arrangierte und fotografierte. Der fertige Film wird während der Göttinger Kunstgala am 9. März präsentiert.
 
ÜBER DEN KÜNSTLER
Yukihiro Taguchi  wurde 1980 in Osaka, Japan geboren und kann mittlerweile auf eine beachtliche Karriere mit zahlreichen Ausstellungen weltweit zurückblicken. Er studierte Ölmalerei an der Tokyo National University of Fine Art und zog nach seinem Abschluss nach Deutschland. Neben den Stop-Motion Filmen, zeichnet er oder stellt Taschen und Geldbeutel aus gebrauchten Einkaufstüten her.

 

Weitere Projekte findet ihr auf der Website von Yukihiro Taguchi.